Regelmäßig gestellte Fragen (FAQs)

Gibt es einen Unterschied zwischen HKS und ADS?

 

Die hyperkinetische Störung (HKS) beinhaltet die gleichen Störungsbereiche wie ADHS. Die Bezeichnung HKS entstammt allerdings einem anderen Klassifikationsschema, nämlich den Diagnosekriterien nach ICD-10, die von der Weltgesundheitsorganisation ausgearbeitet wurden, während die Diagnosekriterien nach DSM von der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft stammen. Gewisse Unterschiede in Detailfragen spielen für den klinischen Alltag keine wesentliche Rolle.

ADS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung) stellt einen Untertyp von ADHS dar, d. h. bei diesen Kindern findet sich das Merkmal der allgemeinen motorischen Unruhe / mangelnden Impulskontrolle nicht, aber das Merkmal Unaufmerksamkeit ist vorhanden. Fälschlicherweise wird im deutschen Sprachraum die Abkürzung ADS oft als übergreifende Bezeichnung für das gesamte Problemfeld benutzt.

 

Was bedeutet eigentlich "Aufmerksamkeits-Defizit"?

Viele Kinder können sich sehr wohl ausgezeichnet auf für sie interessante  Dinge konzentrieren (Lego, PC, Playmobil, Konsole) . Um aufmerksam zu sein, muss man über folgende Fähigkeiten verfügen, welche bei ADHS in einem erheblichen Ausmaß überdauernd eingeschränkt sein können:

·         Fokussieren, d.h. die Aufmerksamkeit auf eine Sache lenken können (auch wenn diese uninteressant ist (z.B. langwieriger Frontalunterricht in der Schule)).

·         Selektieren, d.h. die relevanten Reize filtern und auswählen können.

·         Ausdauer haben, d.h. in der Lage sein, auch in monotonen Situationen über einen längeren Zeitraum die Aufmerksamkeit halten zu können.

·         Ablenkungen widerstehen, d.h. sich nicht durch andere innere oder äußere Reize ablenken lassen.

·         Die Aufmerksamkeit in eigener Kompetenz verändern können, d.h. von einer Sache oder Aufgabe zu einer anderen wechseln können.

 

Sind die Symptome nicht mehr oder weniger normal?

Entscheidend ist, dass die Symptomatik schwerer und überdauernder als in der Normalbevölkerung auftritt und nicht nur auf gelegentliche Krisen beschränkt bleibt.  Folgenreich sind diese schweren Symptome dann für die weite Entwicklung, die dadurch deutlich behindernd wird. Zusätzlich müssen bereits in der Kindheit klare Anzeichen einer ADHS nachweisbar sein. Dabei müssen natürlich andere organische und psychische Erkrankungen ausgeschlossen werden.

Andererseits gibt es sicher einen fließenden Übergang zwischen "Normalität" und ADHS. Derartige "Schattensyndromen" sind Unterformen bzw. abgemilderte Symptome "echter" psychischer Störungen und müssen unbedingt davon differenziert werden.  (z.B. Depression im Kindesalter)

 

 

 

Welche Untersuchungen sind erforderlich?

 

Ziele der Diagnostik sind die Erfassung der individuellen Symptomatik, das Erkennen der persönlichen Umgebungsbedingungen, die differenzialdiagnostische Abgrenzung gegenüber anderen Störungen sowie die Erfassung von kognitiven, motorischen, emotionalen und sozialen Faktoren. Dabei wird im Rahmen der Anamnese ein umfassendes Interview geführt, eine körperliche Untersuchung gehört dazu ebenso wie der psychiatrische Status und Beobachtung, Beschreibung und Bewertung des Verhaltens. Erforderlichenfalls sind neuropsychologische Untersuchungen mit entsprechender Verhaltensbeobachtung angezeigt. Fragebogen können eine ergänzende Hilfe bei der diagnostischen Einschätzung darstellen.

                         

 

Warum ist eine sorgfältige Diagnosestellung so wichtig?

 

Eine sorgfältige und umfassende Diagnostik ist die Voraussetzung für ein gezieltes und maßgeschneidertes individuelles Behandlungsprogramm. Nur so kann die Voraussetzung für eine Besserung der Lebenssituation des Kindes und der Familie geschaffen werden. Man sollte allerdings bedenken, dass sich, sowohl durch den natürlichen Verlauf von ADHS als auch durch die allgemeine Entwicklung des Patienten sowie eine Behandlung, die Problematik leicht verändern kann. Von daher ist über die Zeit eine so genannte Verlaufsdiagnostik zu betreiben, die es erlaubt, das Behandlungsprogramm zu optimieren.

 

 

 

Was können Lehrer und Bezugspersonen zur Diagnostik beitragen?

 

Es ist wichtig, die Verhaltens- und Erlebensweisen des Patienten in verschiedenen sozialen Umgebungen durch verschiedene Informanten zu erfassen, um ein möglichst geschlossenes Bild zu erhalten, da z. B. Lehrer und Eltern die Kinder unter verschiedenen Blickwinkeln betrachten und in unterschiedlichen Situationen erleben und Situationen sehen. Entsprechende Gespräche mit diesen Personen und Fragebogenerhebungen tragen zur Sicherung der Diagnose bei.

 

 

Wodurch wird die Aufmerksamkeits-Defizit-Störung verursacht?

 

Nach heutiger Auffassung ist die Aufmerksamkeits-Defizit-Störung (ADHS) das Resultat einer biochemischen Funktionsstörung im Bereich der Informationsverarbeitung zwischen einzelnen Hirnabschnitten. Moderne Untersuchungsmethoden des Gehirns haben gezeigt, dass diese Funktionsstörung vor allem in den Gehirnabschnitten vorkommt, die für Aufmerksamkeit, Konzentration und Wahrnehmung verantwortlich sind.

Es besteht ein neurochemisches Ungleichgewicht von Dopamin und Noradrenalin, gekennzeichnet durch Schwierigkeiten in der Konzentration, der Ausdauer, aufgetragene Aufgaben zu Ende zu führen, impulsives Handeln, Ungeduld, motorische Unruhe und Reizunterdrückung. Da häufig auch andere Familienmitglieder ähnliche Auffälligkeiten zeigen und eine höhere Übereinstimmung von ADHS bei Zwillingen besteht, ist eine Weitergabe der Erkrankung über die Erbinformationen wahrscheinlich. 

 

 

Welche Therapeutischen Maßnahmen sind sinnvoll?

 

Je nach Alter des Kindes und Ausprägung der Krankheitszeichen sind Maßnahmen erforderlich, um die Aufmerksamkeit und Unruhe der Kinder und damit ihre soziale Integration zu verbessern. Möglich sind hier zum Beispiel Elterntraining und Lehrertraining, je nach Begleitsymptomatik (z.B. Ängste, Depressivität) auch Spieltherapie oder Einzel-Psychotherapie unterschiedlicher Ausrichtung, Familientherapie und soziales Kompetenztraining im Schulalter, sowie Konzentrationstraining, die meist in der Gruppe stattfinden. So werden Eltern beispielsweise in Schulungen dazu angeleitet, das Kind bei positivem Verhalten (etwa wenn es ihm gelungen ist, sich auf die Hausaufgaben zu konzentrieren) gezielt zu belohnen. Auf diese Weise soll auch die starke Fokussierung auf die problematischen Verhaltensweisen des Kindes aufgehoben werden, die den negativen Kreislauf aufrecht erhält (Verhaltensprobleme führen zu Forderungen an das Kind, sich mehr anzustrengen, dieser Druck verstärkt die Symptomatik). Die Kinder erlernen in einem speziellen Training, wie sie ihre Aufmerksamkeit erhöhen, ihr eigenes Verhalten besser steuern können und Alltagssituationen besser einschätzen können, um angemessen zu reagieren. Genaueres wird in den einzelnen Trainingsprogrammen die weiter unten dargestellt werden, beschrieben.

 

 

Ist eine Medikamentöse Behandlung immer nötig?

 

Nein nicht in jedem Fall. In ausgeprägten Fällen, oder wenn es unter den oben genannten Maßnahmen zu keiner entscheidenden Besserung der Auffälligkeiten kommt, empfiehlt sich eine medikamentöse Therapie. Diese sollte aber durch einen Spezialisten verordnet und kontrolliert werden. Hierbei werden bevorzugt so genannte Stimulanzien (Wirkstoff: Methylphenidat) eingesetzt, die die Konzentration des körpereigenen Botenstoffes Dopamin im Gehirn erhöhen. Ebenso kommen Substanzen zum Einsatz, die die Konzentration des Botenstoffs Noradrenalin erhöhen (Wirkstoff: Atomoxetin), auch Nicht-Psychostimulanzien genannt. Dadurch wird die Informationsverarbeitung zwischen den einzelnen Hirnabschnitten verbessert, was zu einer gesteigerten Konzentrationsfähigkeit führt. Weiterhin können die Kinder ihren gesteigerten Bewegungsdrang besser kontrollieren. So werden für das Kind Bedingungen geschaffen, unter denen es die bestehenden Probleme wie zum Beispiel Schwierigkeiten im Sozialverhalten besser angehen kann. Die Medikamente stellen eine Unterstützung dar und sollten von weiteren therapeutischen Maßnahmen begleitet werden.

 

Da die Wirksamkeit sehr unterschiedlich sein kann, muss in einer mehrwöchigen Einstellphase für jeden Patienten die individuell erforderliche Medikamentenmenge herausgefunden werden.

Der behandelnde Arzt muss regelmäßig die Einstellung mit den Medikamenten überprüfen und auf Nebenwirkungen wie Gewichtsabnahme bei Appetitlosigkeit oder Leberwertkontrolle achten. Außerdem müssen regelmäßige Auslassversuche durchgeführt und entsprechend dokumentiert werden.

Stimulanzien werden seit mehr als 50 Jahren zur Behandlung des ADHS eingesetzt. Bei regelgerechter Anwendung sind keine Spätschäden oder eine Abhängigkeit zu erwarten. Relativ häufig sieht man zu Beginn der Therapie Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit dies lässt aber oft im Verlauf meist nach. Wenn zusätzliche Erkrankungen bestehen oder sich Stimulanzien als nicht wirksam erweisen, kann auf andere Medikamente (zum Beispiel Neuroleptika, Antidepressiva) ausgewichen werden.

 

 

Gibt es alternativen zur medikamentösen Behandlung (z. B. Homöopathie)?

 

Eine homöopathische Behandlung erbringt in vielen Fällen eine Besserung der Verhaltens- und Konzentrationsprobleme beim ADHS. Sowohl die Erscheinung der Symptome, als auch die Ursachen der Verhaltensstörungen sind sehr facettenreich und vielschichtig. Eine erfolgversprechende homöopathische Behandlung muss vor allem auch die Zusatzsymptome des ADS / ADHS wie etwa Angststörungen, Depression, oppositionelles Verhalten, Aggressivität, Entwicklungsstörungen und besonders auch die begleitenden Körpersymptome in Betracht ziehen. Die homöopathische Behandlung muss aber in ein multimodales Gesamtkonzept eingebettet sein. Dies schließt eine gründliche Vordiagnostik, verhaltenstherapeutische Maßnahmen, Elternschulungen, psychomotorisches Training, etc. mit ein.

 

Sind diätetische Maßnahmen sinnvoll?

 

Die Wirksamkeit einer Ernährungsumstellung als alleinige Behandlung der Hyperaktivität ist nicht belegt, kann aber begleitend und individuell abgestimmt hilfreich sein. Fünf bis zehn Prozent der Kinder profitieren von einer individuell angepassten Diät, die allerdings aufwändig ist und von Eltern und Kindern sehr viel Disziplin erfordert.

 

 

Wie ist es mit Sport?

 

Zur Bewegungstherapie liegen nur wenige einschlägige Studien vor. Die bisherigen Ergebnisse zeigen aber deutliche Verbesserungen in der Koordination, in der Konzentrationsfähigkeit und in Fremdbeurteilungen der psychosozialen Symptome. Darüber hinaus ist für die Sportspiele eine deutliche Zunahme der Teamfähigkeit zu erkennen. Eine Abnahme der Ablenkbarkeit zeigt sich speziell bei den Natur- und Erlebnissportarten.

Sinnvoll sind daher Sportarten, die sowohl Freude an der Bewegung als auch ein hohes Maß an Selbststeuerung und -kontrolle in sich vereinen. Deshalb sollten ADHS-Kinder unbedingt Sport treiben, da dies ihre Erkrankung positiv beeinflusst. Positiven Effekt bringen Sportarten, die dem Kind Freude, Selbstbestätigung oder Annerkennung bringen.

Ungünstig sind Sportarten oder auch Vereine, bei denen das Kind in Wettbewerbsdruck kommt und diesem nicht standhält. Das kann eventuell vorhandene Verhaltensstörungen verstärken.

 

 

Weitere regelmäßig gestellte Fragen finden sie unter: www.zentrales-adhs–netz.de