Satzung des Regionalen ADHS Kompetenznetz Regensburg

 

Die unterzeichnenden Kinder‑ und Jugendpsychiater, Psychologen, Therapeuten, Sozialpädagogen und Sonderpädagogen Regensburgs schließen sich zur Optimierung der Diagnostik und Therapie der Aktivitäts‑ und Aufmerksamkeitsstörung zu einem Kompetenznetzwerk zusammen. Dabei orientieren sie sich an den von den beiden Fachgesellschaften der Kinder‑ und Jugendärzte und Kinder‑ und Jugendpsychiater veröffentlichten Leitlinien und wirken an deren Fortentwicklung mit.

 

Aufgaben des Netzwerkes:

 

  • Koordination und gegebenenfalls Standardisierung diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen Patientenbezogene Koordinierung aller geplanten Maßnahmen
  • Organisation gemeinsamer Fortbildungsveranstaltungen
  • Zusammenarbeit mit anderen am Krankheitsbild arbeitenden Therapeuten Zusammenarbeit mit Schulen, Kindergärten
  • Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und Einrichtungen der Jugendhilfe Optimierung der Schnittstelle ambulante/stationäre Therapie Informations‑ und Öffentlichkeitsarbeit

 

Das Netzwerk wird nach außen von zwei Sprechern vertreten, die die Teilnehmer aus ihrer Mitte bestimmen. Diese können nur informativ und im Sinne von Öffentlichkeitsarbeit agieren, aber keine für die Teilnehmer des Kompetenznetzes verbindlichen Vereinbarungen oder Verträge schließen.

 

Die Teilnehmer des Kompetenznetzwerkes stimmen sich mindestens einmal im Jahr in einer Versammlung über die gemeinsame Kooperation, Verbesserung von Diagnostik und Therapie, Fortbildungsveranstaltungen, therapeutische und wissenschaftliche Vorhaben u. a. ab. Darüber hinaus sind alle Teilnehmer um intensiven, zeitnahern Informationsfluss auch unter Nutzung von E-Mail und Fax bemüht, um den Sinn de Netzes zu realisieren.

 

Netzmitglieder können Kinder‑ und Jugendärzte, Kinder‑ und Jugendpsychiater, Jugendämter, Kinder‑ und Jugendlichenpsychotherapeuten, Psychologen, Sozialpädagogen, Pädagogen, Lehrer aus Regensburg und der näheren Umgebung werden, über eine Aufnahme oder Anknüpfung Interessierter aus anderen Berufsgruppen entscheiden die Netzmitglieder gemeinschaftlich.

 

Die Bündelung von Ressourcen, Vermeidung von Doppeluntersuchungen, Nutzung von Synergieeffekten ist ein Ziel des Kompetenznetzes. Qualitativ bessere Versorgung des Patientenklientels aufmerksamkeitsgestörter und hyperaktiver Kinder ist aber nicht ohne finanzielle Sicherheit zu erbringen, um eine dem Stand des Wissens und des wissenschaftlichen Fortschritts entsprechende Diagnostik und Behandlung anzubieten, die z. B. die medikamentöse Behandlung auf das unbedingt nötige Maß begrenzt. Die Mitglieder des Kompetenznetzes sehen deshalb die Ermöglichung der Sicherstellung der ärztlich­therapeutischen Versorgung als eine Aufgabe, die nicht nur die Teilnehmer des Kompetenznetzes, sonder auch die Krankenkasse zu leisten haben und eventuelle andere Kostenträger.

 


Kooperationsvereinbarung des

Regensburger ADHS‑ Kompetenznetzes

zur Qualitätssicherung in Diagnostik und Therapie

 

Die Unterzeichnenden vereinbaren zur qualitätsgesicherten Versorgung von ADHS­ Patienten folgende Punkte:

 

 

 

(1) Die am Regensburger ADHS‑Kompetenznetz teilnehmenden Ärzte/Ärztinnen und Therapeuten/‑innen orientieren sich an den Leitlinien der Fachgesellschaften der Kinder ­und Jugendärzte und Kinder‑ und Jugendpsychiater (gemäß der 2. ADHS­ Konsensuskonferenz vom 28./29.10.2002 im Bundesgesundheitsministerium.

 

(2) Grundlage der Arbeit des ADHS-Kompetenznetz Regensburg sind die Eckpunkte der Ergebnisse der vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung durchgeführten interdisziplinären Konsensuskonferenz zur Verbesserung der Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung vom 28. und 29. Oktober 2002 (Eckpunktepapier, s. Anlage 1).

 

(3) Die teilnehmenden Ärzte/Ärztinnen und Therapeuten/-innen stellen einen optimierten gegenseitigen Informationsfluss sicher und benutzen vereinbarte Standards zur (orientierenden) Diagnostik und zur Verlaufskontrolle bei ADHS.

 

(4) Die Durchführung einer ersten diagnostischen Einordnung bei Kindern mit der Verdachtsdiagnose ADHS erfolgt in der Regel durch den/die Kinder‑ und Jugendarzt/­-ärztin. Dazu werden eingangsdiagnostische Standards miteinander vereinbart. Insbesondere bei komplexeren Krankheitsbildern (z. B. Komorbiditäten Depression/ADHS), ADHS/Teilleistungsstörungen, "Multiproblemfamilien" mit ausgeprägten psychosozialen Belastungsfaktoren) verpflichten sich die Teilnehmer des Kompetenznetzes auf die Sicherstellung eines multimodalen Therapieansatzes. Eine konsiliarische Vorstellung der Kinder mit nachgewiesenem oder dringendem Verdacht auf ADHS beim/bei der Kinder‑ und Jugendpsychiater/in wird verabredet, um die differentialdiagnostische Abklärung und Einbeziehung kinderpsychiatrischer Überlegungen sicherzustellen.

 

(5) Die hohe Prävalenz von ADHS im Kindes- und Jugendalter, ihre erhebliche Stabilität bis ins Erwachsenenalter und die deutlichen lebenslangen Funktionseinschränkungen, die mit dieser Störung verbunden sind, tragen zu dem hohen Stellenwert dieser Problematik bei. In den auf Einladung des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung im Jahre 2002 durchgeführten Konferenz zur Verbesserung der Versorgung von Kindern, Jugendlichen sowie von Erwachsenen mit der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung wurde ein Konsens über verbindliche Standards in der Diagnose und Behandlung der ADHS erzielt.

 

(6) Die Einführung, Sicherstellung und Evaluation von multimodalen Therapieelementen ist wie oben beschrieben ein besonderes Anliegen des Regensburger Kompetenznetzes ADHS. Dazu gehören insbesondere:

 

  •  Verhaltenstherapeutische Behandlungsformen
  • Psychoedukative Maßnahmen und Elterntrainings
  • Lehrertraining
  • Familientherapeutische Verfahren
  •  je nach Begleitsymptomatik (z.B. Ängste, Depressivität) auch Spieltherapie oder Einzel-Psychotherapie
  • Konzentrationstraining, die meist in der Gruppe stattfinden sollen
  • Medikamentöse Behandlung

 

(7) Die Behandlung der ADHS benötigt ein störungsspezifisches Therapiekonzept, das auf die besondere Problematik der Betroffenen abgestimmt ist. Wichtig ist die Erstellung eines individuellen Therapieplans, der auf die aktuelle Situation des Betroffenen und seines Umfeldes abgestellt ist.

 

(8) Die Ärzte/‑innen des Regensburger ADHS‑ Kompetenznetzes kooperieren in besonderem Maße mit den Regensburger Ergotherapeuten/-innen und vereinbaren mit diesen besondere Standards und Therapiemaßnahmen bei ADHS. Dies dient der Qualitätssicherung der durchgeführten Behandlung durch Verordnung von wissenschaftlich evaluierten Behandlungsverfahren bei definiertem Krankheitsbild und leitliniengeforderter multimodaler Therapie.

 

(9) Die teilnehmenden ergotherapeutischen Praxen stellen sicher, dass die Therapie durch einen in verhaltenstherapeutischen Verfahren ausgebildeten Therapeuten stattfindet.